Induktion beschreibt in der Magnet- und Elektrotechnik einen Vorgang, bei dem durch ein veränderliches Magnetfeld eine elektrische Spannung entsteht. Dieser Effekt bildet die Grundlage für Generatoren, Transformatoren, Induktionssensoren, Elektromotoren und viele Messsysteme.
Ein Magnetfeld kann also nicht nur Kräfte ausüben. Es kann auch elektrische Energie erzeugen, sobald es sich in der Nähe eines elektrischen Leiters verändert. Genau dieser Zusammenhang macht die Induktion zu einem der wichtigsten Begriffe in der modernen Technik.
Bei der elektromagnetischen Induktion entsteht eine elektrische Spannung, wenn sich das Magnetfeld in oder um einen Leiter verändert. Der Leiter kann zum Beispiel ein Draht, eine Spule oder eine Leiterbahn sein.
Eine Spannung entsteht zum Beispiel, wenn:
Wichtig ist dabei die Veränderung. Ein ruhender Magnet neben einem ruhenden Draht erzeugt keine dauerhafte Induktionsspannung. Erst Bewegung oder ein wechselndes Magnetfeld bringt die Elektronen im Leiter in Gang.
Man kann sich ein Magnetfeld wie ein unsichtbares Kraftfeld vorstellen, das den Raum um einen Magneten durchzieht. Bewegt sich dieses Feld durch einen Leiter, wirkt es auf die frei beweglichen Elektronen im Metall.
Diese Elektronen werden verschoben. Dadurch entsteht eine elektrische Spannung. Ist der Stromkreis geschlossen, fließt ein elektrischer Strom.
Auf grundlegender Ebene hängt das Verhalten von Elektronen in Materie auch mit dem Pauli-Prinzip zusammen. Bei der Induktion steht jedoch vor allem die Bewegung freier Elektronen im Leiter im Mittelpunkt.
Ein einfaches Beispiel:
Ein Neodym Magnet wird schnell in eine Kupferspule geschoben. Während der Magnet sich bewegt, ändert sich das Magnetfeld in der Spule. Dadurch entsteht für einen kurzen Moment eine Spannung. Wird der Magnet wieder herausgezogen, entsteht erneut eine Spannung, meist mit umgekehrter Richtung.
Je schneller sich das Magnetfeld ändert, desto stärker fällt die Induktion aus.
Die elektromagnetische Induktion wird durch das Faradaysche Induktionsgesetz beschrieben. Es sagt vereinfacht:
Je stärker sich der magnetische Fluss durch eine Leiterschleife verändert, desto größer ist die induzierte Spannung.
Der magnetische Fluss hängt davon ab, wie stark das Magnetfeld ist, wie groß die Fläche der Spule ist und in welchem Winkel das Magnetfeld auf diese Fläche trifft.
Für die Praxis bedeutet das:
Eine höhere Induktionsspannung entsteht durch:
Deshalb arbeiten viele technische Anwendungen mit Spulen. Jede Windung trägt zur entstehenden Spannung bei. Viele Windungen verstärken den Effekt.
Die Lenzsche Regel beschreibt die Richtung der induzierten Spannung oder des induzierten Stroms.
Sie sagt vereinfacht:
Der induzierte Strom wirkt der Veränderung entgegen, die ihn erzeugt.
Das klingt abstrakt, lässt sich aber gut beobachten. Lässt man einen starken Neodym-Magneten durch ein Kupferrohr fallen, fällt er deutlich langsamer als ein gleich schweres nichtmagnetisches Objekt. Kupfer ist selbst nicht ferromagnetisch. Es wird also nicht wie Eisen vom Magneten angezogen.
Der Magnet erzeugt beim Fallen jedoch veränderliche Magnetfelder im Kupferrohr. Dadurch entstehen Wirbelströme. Diese Wirbelströme erzeugen wiederum Magnetfelder, die der Bewegung des Magneten entgegenwirken. Der Magnet wird gebremst.
Dieses Beispiel zeigt Induktion besonders eindrucksvoll: Der Magnet berührt das Kupfer nicht direkt, trotzdem wirkt eine klare Bremskraft.
Magnete spielen bei vielen Induktionsprozessen eine zentrale Rolle. Besonders starke Magnete erzeugen starke Magnetfelder. Dadurch lassen sich bei Bewegung oder wechselnder Feldstärke höhere Spannungen erzeugen.
In der Praxis kommen häufig Neodym-Magnete zum Einsatz, weil sie bei kleiner Bauform eine hohe magnetische Flussdichte liefern. Das ist besonders wichtig, wenn wenig Platz vorhanden ist oder ein kräftiges Signal erzeugt werden soll.
Typische Anwendungen sind:
Je nach Anwendung zählen dabei nicht nur die Magnetkraft, sondern auch Form, Größe, Magnetisierungsrichtung und Temperaturbeständigkeit des Magneten.
Ein Generator wandelt Bewegung in elektrische Energie um. Dabei bewegt sich entweder ein Magnet an einer Spule vorbei oder eine Spule dreht sich in einem Magnetfeld.
Durch diese Bewegung ändert sich der magnetische Fluss. Es entsteht eine Spannung. Wird ein Verbraucher angeschlossen, fließt Strom.
So arbeiten im Grundprinzip viele Kraftwerke, Windräder, Fahrraddynamos und Handgeneratoren. Die Energie entsteht dabei nicht aus dem Nichts. Die mechanische Bewegung liefert die Energie. Die Induktion wandelt sie in elektrische Energie um.
Ein Transformator nutzt ebenfalls Induktion, allerdings ohne bewegten Magneten. Hier erzeugt eine Spule mit Wechselstrom ein ständig wechselndes Magnetfeld. Dieses Magnetfeld wirkt auf eine zweite Spule und erzeugt dort eine Spannung.
So lassen sich Spannungen erhöhen oder verringern. Transformatoren sitzen in Netzteilen, Ladegeräten, Stromnetzen und vielen elektronischen Geräten.
Auch Elektromagnete zeigen den engen Zusammenhang zwischen elektrischem Strom und Magnetfeld. Bei ihnen erzeugt Strom ein Magnetfeld. Bei der Induktion läuft der Effekt in die andere Richtung: Ein veränderliches Magnetfeld erzeugt eine elektrische Spannung.
Wichtig: Ein Transformator benötigt in der Regel Wechselstrom. Bei konstantem Gleichstrom ändert sich das Magnetfeld nach dem Einschalten nicht mehr dauerhaft. Dann entsteht keine fortlaufende Induktionsspannung in der zweiten Spule.
Auch das induktive Laden nutzt elektromagnetische Induktion. In der Ladestation sitzt eine Spule, die mit Wechselstrom betrieben wird. Dadurch entsteht ein wechselndes Magnetfeld.
Im Gerät, zum Beispiel in einem Smartphone, einer elektrischen Zahnbürste oder einem Elektrofahrzeug, befindet sich eine zweite Spule. Das wechselnde Magnetfeld erreicht diese Empfangsspule und erzeugt dort eine elektrische Spannung. Diese Spannung wird anschließend in Ladestrom für den Akku umgewandelt.
Das Prinzip ähnelt einem Transformator, bei dem Energie über ein wechselndes Magnetfeld von einer Spule auf eine andere übertragen wird. Beim induktiven Laden liegen die Spulen jedoch nicht in einem gemeinsamen Eisenkern, sondern dicht beieinander. Deshalb spielen Abstand und Ausrichtung eine große Rolle.
Induktion kann auch in massiven Metallteilen auftreten. Wird ein elektrisch leitfähiges Material von einem veränderlichen Magnetfeld durchsetzt, entstehen im Material kreisförmige Ströme. Diese nennt man Wirbelströme.
Wirbelströme können erwünscht oder unerwünscht sein.
Erwünscht sind sie zum Beispiel bei:
Unerwünscht sind sie zum Beispiel in Transformatoren oder Elektromotoren, wenn sie Energie in Wärme umwandeln. Deshalb bestehen viele Eisenkerne aus dünnen, voneinander isolierten Blechen. Diese Bauweise reduziert Wirbelströme und senkt Energieverluste.
Ein Induktionskochfeld nutzt ein schnell wechselndes Magnetfeld. Unter der Kochfläche sitzt eine Spule. Fließt Wechselstrom durch diese Spule, entsteht ein wechselndes Magnetfeld.
Dieses Magnetfeld erzeugt im Boden eines geeigneten Topfes Wirbelströme. Diese Ströme erwärmen den Topfboden direkt. Die Kochplatte selbst erzeugt die Wärme nicht wie eine klassische Heizplatte. Die Wärme entsteht im leitfähigen und magnetisch geeigneten Topfboden.
Deshalb funktionieren nicht alle Töpfe auf einem Induktionskochfeld. Der Boden muss für das wechselnde Magnetfeld geeignet sein.
Der Begriff Induktion wird manchmal auch im Zusammenhang mit der magnetischen Induktion verwendet. Damit ist häufig die magnetische Flussdichte B gemeint.
Hier entsteht leicht Verwirrung:
Elektromagnetische Induktion
beschreibt die Entstehung einer elektrischen Spannung durch ein veränderliches Magnetfeld.
Magnetische Induktion / magnetische Flussdichte B
beschreibt die Stärke und Richtung eines Magnetfelds in einem bestimmten Bereich.
Die magnetische Flussdichte wird in Tesla angegeben. Bei Magneten beschreibt sie, wie stark das Magnetfeld an einer bestimmten Stelle ist. Für die Auswahl eines Magneten ist sie vor allem dann wichtig, wenn Sensoren, Spulen oder technische Messsysteme mit dem Magnetfeld arbeiten.
Neodym-Magnete eignen sich besonders gut für viele Induktionsanwendungen, weil sie ein starkes Magnetfeld auf kleinem Raum erzeugen. Dadurch lassen sich kompakte Generatoren, Sensoren oder Versuchsanordnungen bauen.
Ein kleiner Neodym-Magnet kann in einer Spule bereits eine messbare Spannung erzeugen, wenn er schnell genug bewegt wird. Für technische Anwendungen zählt dabei nicht nur die Haltekraft des Magneten. Entscheidend ist auch, wie das Magnetfeld durch die Spule verläuft.
Wichtige Faktoren sind:
Für einfache Versuche reichen oft kleine Scheibenmagnete oder Stabmagnete. Für Sensoren, Generatoren oder Sonderlösungen braucht es eine genauere Abstimmung.
Induktion begegnet uns in vielen Bereichen:
Fahrraddynamo:
Ein Magnet bewegt sich relativ zu einer Spule. Dadurch entsteht Strom für die Beleuchtung.
Generator:
Mechanische Bewegung wird über Magnetfeld und Spule in elektrische Energie umgewandelt.
Transformator:
Ein wechselndes Magnetfeld überträgt elektrische Energie zwischen zwei Spulen.
Induktionskochfeld:
Wirbelströme erwärmen den Topfboden direkt.
Wirbelstrombremse:
Bewegte Magnetfelder erzeugen Ströme im Leiter und bremsen die Bewegung.
Drehzahlsensor:
Ein Magnetfeld ändert sich rhythmisch durch Bewegung. Ein Sensor erkennt daraus die Drehzahl.
Kabelloses Laden:
Wechselnde Magnetfelder übertragen Energie zwischen Spulen.
Induktion bezeichnet in der Elektrotechnik die Entstehung einer elektrischen Spannung durch ein veränderliches Magnetfeld. Bewegt sich ein Magnet an einer Spule vorbei oder ändert sich ein Magnetfeld in einem Leiter, können Spannung und Strom entstehen.
Ja. Ein Dauermagnet kann eine Spannung erzeugen, wenn er sich relativ zu einem Leiter oder einer Spule bewegt. Ein ruhender Dauermagnet neben einem ruhenden Leiter erzeugt jedoch keine dauerhafte Induktionsspannung.
Induktion entsteht durch eine Änderung des magnetischen Flusses. Ohne Änderung gibt es keine fortlaufende induzierte Spannung. Deshalb spielen Bewegung, Wechselstrom oder schwankende Magnetfelder eine zentrale Rolle.
In vielen Fällen ja. Ein stärkeres Magnetfeld kann eine höhere Spannung erzeugen, wenn sich der magnetische Fluss entsprechend ändert. Die tatsächliche Spannung hängt aber auch von Spule, Abstand, Bewegungsgeschwindigkeit und Ausrichtung ab.
Ja. Neodym-Magnete eignen sich sehr gut für viele Induktionsversuche, weil sie bei kleiner Bauform ein starkes Magnetfeld liefern. Sie erzeugen in Kombination mit Spulen oft gut messbare Effekte.
Beim Fallen verändert der Magnet das Magnetfeld im Kupfer. Dadurch entstehen Wirbelströme. Diese erzeugen ein eigenes Magnetfeld, das der Bewegung entgegenwirkt. Der Magnet wird gebremst.
Kupfer ist nicht ferromagnetisch und wird von einem Magneten nicht wie Eisen angezogen. Es ist aber elektrisch leitfähig. Deshalb können in Kupfer durch ein veränderliches Magnetfeld Wirbelströme entstehen.